Breslau heißt heute Wroclaw…..

Am Ende des Sommers, in den letzten wirklich heißen Tagen habe ich eine ganz besondere Reise nach Polen unternommen.  Ich will es jetzt doch einmal erzählen, weil es so besonders war.

In meiner Nachbarschaft lebt eine Frau, knapp über 60 Jahre alt. Das Schicksal hat sie als Rentnerin nach Deutschland verschlagen und, nach einer anfangs glücklichen Zeit stand sie bald allein, mit einer kleinen Rente und ohne Sprachkenntnisse in unserem kalten Deutschland. Wir haben uns angefreundet, sie sprach polnisch und russisch, ich deutsch und englisch. Aber, wir konnten uns verstehen und ich konnte an manchen Punkten helfen. Bald kam ihr Sohn aus England zu ihr- denn in Deutschland gibt es Arbeit- und bald gesellte sich noch eine andere polnische Frau zu uns. Sprachkurse wurden besucht, Arbeit gefunden, und trotzdem war ich als Nachbarin als Hilfe im deutschen Behördendschungel durchaus gefragt.

Ich mache das gerne, ich finde es richtig und wichtig und ich mache das ohne alle Hintergedanken….

Aber jetzt geht die Geschichte erst los: eines Tages beschloß „man“, ich solle das von meinen Freundinnen verlassene Heimatland Polen kennenlernen. Eine ganz schön schwierige Geschichte, denn wir alle haben wenig Geld.

„Ich will nicht! Ich kann nicht! Das geht doch nicht!“ Meine deutschen Einwände halfen nichts, der Beschluß stand fest und ich hatte da gar nichts zu melden. „Wir fahren mit Dir mit dem Zug für ein Wochenende nach Breslau.“

„Wir fahren mit dem Wochend-Ticket der Bahn, wir schlafen bei Tante Dominica und Schwester Sophie hilft auch!“

Ich bekam einfach keine Antwort mehr auf meine Einwände.-„….Wir sprechen kein Deutsch…..“-

Meine Strickjacke war rechtzeitig fertig geworden – ihr erinnert Euch vielleicht an die geklaute Strickjacke- und ohne so eine Jacke geht bei mir gar nichts!…..Polen Grüne Strickjacke –    und so fuhren wir mit wenig Ge- päck, vielen Thermosflaschen und Broten morgens um 5 Uhr mit dem Regionalzug Richtung Polen. Es war heiß, voll, schmutzig (vor allem auf der deutschen(!) Seite, und sehr, sehr lustig….. Wir stiegen ein paar Mal um, sahen die Bahnhöfe von Nürnberg, Dresden, Görlitz, und kamen nachmittags um 4 in Breslau an.

Und dann erlebte ich eine so wunderbare Gastfreundschaft und so einen großartigen Familienzusammenhalt, wie ich das noch nie erlebt habe.

Wir waren typisch polnische Krautwickel essen bei Freundin Monika, dann gab es eine Stadtführung von Dominica durch den alten Stadtkern.Polen Breslau Marktplatz Breslau ist eine wunderschöne alte Polen Stadtführung rathaus BreslauStadt, mit einer beeindruckenden Geschichte und einer sehr großen Kunstakademie. Eine moderne und äußerst europäische Großstadt.http://de.wikipedia.org/wiki/Breslau

Ein klitzekleines Päuschen vor dem RathausPolen, Wroclaw 062 und weiter ging es                                                 zu den Wasserspielen zu Ehren des hundertjährigen Bestehens der Breslauer Messe. Seit 2006 zählt dieser monumentale Betonbau des Architekten Max Berg zum Weltkulturerbe. Wir erlebten hier ein unglaubliches Spektakel:  Polen Wasserspiele 2Musik, Wasser, Feuer und Laser, alles harmonisch vereint zu einer zauberhaften Darbietung im Park.

Nach diesem, übrigens kostenlosen, Event werden wir alle ins Auto von Monika gepackt – es ist jetzt 10 Uhr abends –  und bekommen eine weitere Stadtführung.

Ein endloser polnischer Wortschwall der Fahrerin ergießt sich über mich. Ich verstehe nur eins: Breslau ist eine wunderschöne Stadt, meine Gastgeber wissen sehr viel über die Geschichte ihrer Stadt und sind auch stolz darauf.                                                                        Polen Stadtführung Breslau nachts 2Polen Breslau Stadtführung nachtsUnd dann ein nächtlicher Spaziergang durch die wunderbar beleuchtete „Kircheninsel“.

Geschichts-trächtig, wunderschön und sehr katholisch.

Ein junger Mann fiel mir auf: er erschien vor dem Portal der Kathedrale, hob die Arme und betete sehr laut und inbrünstig.

Nach fünf Minuten reihte er sich wieder in die Menge der Passanten und verschwand. Katholizismus à la polska!

Sehr beeindruckend für mich…..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir aber wurden jetzt in einen verträumten Vorort gefahren, wurden nachts um halb eins mit einem selbstgebackenen Kuchen und einem Glas Sekt in unserer nächtlichen Bleibe willkommen geheißen und fielen dort schnell in einen Schlaf der Erschöpfung.

Am nächsten Morgen fand ich um 6 Uhr die Gastgeberin, eine äußerst jugendliche „fast-siebigerin“ in der Küche vor. Sie bereitete gerade ein opulentes Frühstücksbuffet mit -teils warmen- Kostlichkeiten vor. Wir Gäste durften in der Zwischenzeit den Hausgarten gesichtigen, bekamen Kräutertipps gegen Migräne und Gymnastik-Programme für Blutdruck-Probleme offeriert und wurden aufs liebevollste versorgt.

Trotz meiner Kommunikationsprobleme – keiner sprach irgendeine Sprache, die ich kenne, hat Dominica verstanden, dass ich eigentlich in Polen Kurzwaren kaufen wollte. Polen KnöpfeUnd voila: zwei große Dosen Knöpfe aus den Beständen wanderten in mein Reisegepäck.

Und nun, schnell, schnell zum Panorama Raclawicka: Wir hatten Karten im Internet vorbestellt – einzige Möglichkeit dort hineinzukommen – und durften dort genau festgelegt, eine halbe Stunde bleiben.

Es ist ein geschichtsträchtiges Monumentalgemälde, das unter der Leitung des Malers Jan Styke entstanden ist. Über 114 Meter lang und 15 Meter hoch wurde dafür in der „Neuzeit“ ein eigenes Gebäude, die Rotunde Raclawicka, gebaut.Polen panorama Raclawicka Dieses Gemälde, eine naturalistische Schlachtenszene verkörpert heute den Nationalstolz und den Unab-

hängigkeits-gedanken des polnischen Volks. Polen Panorama2

Als ich dieses Gemälde endlich sehen durfte, waren alle meine-heimlichen-Zweifel verflogen. Einfach toll!

Hier nur ein winziger Ausschnitt des Gemäldes.

Wer mehr wissen will: http://www.panoramaraclawicka.pl/de/was_besuchen_wir.html

Nun, Sonntag, 10 Uhr morgens,  noch schnell polnische Lebensmittel kaufen, das war wichtig! Polnische Wurst! Und viele andere Dinge, die helfen, das Heimweh meiner polnischen Freunde zu lindern, und dann, husch, husch, zum Breslauer Bahnhof, der wie eine beeindruckende, und perfekt restaurierte Ritterburg mitten in der Stadt steht.

Zurück in überfüllten Sonntagszügen, mit vielen Verspätungen, verpassten Zügen und einer letzten Endes doch freundlichen Deutschen Bahn (teilweise fuhren wir mit unserem Wochend-ticket im ICE, was meine Polinen ganz besonders freute) „Wir sind noch nie !CE gefahren!“Und alle unseren polnischen Lebensmittel-Plastiktüten reisten mit……Polen zug rauchenNur wir beiden Raucher hatten kleine Probleme. Doch selbst hier gab es freundliche Lösungen auf ostdeutschen Bahnhöfen!

Sonntag nacht, kurz nach 12 Uhr,  erreichten wir das heimatliche Augsburg bei strömendem Regen. In Deutschland war es übers Wochenende Herbst geworden.Polen Herbst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir waren 45 Stunden unterwegs, hatten davon 5 Stunden geschlafen, waren 24 Stunden mit der Bimmelbahn unterwegs und fielen todmüde, aber sehr zufrieden in unsere eigenen Betten. Danke, ihr Lieben! Meine Neugier ist geweckt- ich kann schon dreieinhalb Worte polnisch!

Ich bin noch immer sehr beeindruckt von diesen Menschen, der Freundlichkeit und Gastlichkeit! Vielen Dank dafür! Und ich bin beeindruckt davon, was man, auch mit wenig Geld, und auch in gesetztem Alter, in 2 Tagen alles machen kann! Und ich bin beeindruckt von dieser wunderschönen Stadt Breslau, die heute Wroclaw heißt…….

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7 Antworten zu Breslau heißt heute Wroclaw…..

  1. giftigeblonde schreibt:

    Was für eine schöne, herzerwärmende Geschichte!
    Und man sieht wieder mal, auch ohne Geld ist es recht einfach recht glücklich zu sein.
    In Polen war ich noch nie, aber auch das steht auf unserer endlosen „dawillichnochhin“ Liste.

  2. BabetteFee schreibt:

    Genau das Gleiche hab ich auch gedacht! Was für eine wunderbare Geschichte!
    Die Heimat meines Vaters, der nach dem Krieg dort nie, nie, nie mehr zurück wollte!
    Ich war noch nie in Polen, noch nie in Breslau. Aber jetzt klingt so eine Sehnsuchts-Saite in mir. Schiebe solche Dinge auch immer aufs wenige Geld. Nur seh ich nun, dass es auch mit wenig geht! Hach ja, auf nach Beslau! Bald! 😉
    Die Fotos sind übrigens auch wunderschön!

  3. Johanna schreibt:

    …wunderschöne „Geschichte“…gut wenn’s dir gefallen Hat!!….^^\m/!!…

  4. Corinna schreibt:

    Ein tolles Erlebnis! Ich komme ja von praktisch kurz vor der polnischen Grenze und hatte ein ähnliches Erlebnis in den Masuren. Genrell hatte ich in Osteuropa immer das Glück, nur herzliche Menschen kennenzulernen. Sie haben wenig, aber teilen gern, sind unheimlich hilfsbereit und Freundschaften haben auch über große Entfernungen lange Bestand.

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